Filterkaffee oder Espresso? Unsere liebsten Zubereitungsmethoden
Guter Kaffee muss nicht kompliziert sein. Und er muss auch niemandem etwas beweisen. Über die Jahre haben wir viele Zubereitungen ausprobiert, manche lieben gelernt, andere wieder ins Regal gestellt. Nicht, weil sie objektiv besser oder schlechter wären, sondern weil sie für uns in bestimmten Momenten einfach gut funktionieren.
Hier stellen wir euch unsere liebsten Kaffee Zubereitungsmethoden vor. Vielleicht findest du darunter ja auch die richtigen Begleiter für deinen Alltag.
Springe direkt zu der Methode, die dch am meisten interessiert.
Hario V60
Unser Start in den Tag beginnt fast immer mit einem Filterkaffee aus der V60.
Was ist das?
Der V60 ist ein klassischer Handfilter. Kegelform, ein großes Loch unten, spiralförmige Rillen an der Seite. Klingt simpel, ist es auch. Und genau darin liegt seine Stärke. Die Methode ist unter dem Begriff Pour Over populär geworden, ist aber alles andere als neu.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Für alle, die Klarheit mögen. Der V60 zeigt, was im Kaffee steckt. Frucht, Säure, feine Unterschiede zwischen Herkünften. Nichts wird versteckt.
Unser Lieblingsrezept
Wir brühen den V60 meist mit hellen bis mittleren Filterröstungen, zum Beispiel mit unserem La Huaca. dabei verwenden wir standardmäßig ein Verhältnis von 1:16,5 zwischen Kaffee und Wasser.
Ein Beispiel:
- 15 g Kaffee, mittel-fein gemahlen (etwa so wie Meersalzkörner)
- 250 ml Wasser bei etwa 92–94 °C
- 45 ml Bloom für 35 Sekunden
- gleichmäßig aufgießen
- Gesamtzeit etwa 2:30–3:00 Minuten
Das Ergebnis ist klar, saftig und sehr präzise.
Kosten
Je nach Material etwa 10–30 Euro. Viele kleinere Kaffeefachhändler in Österreich führen den V60 und liefern unkompliziert.
Was man wissen sollte
Die V60 braucht ein bisschen Übung und ein paar Minuten Aufmerksamkeit. Das schöne Ritual des Aufgießens passt für uns aber gut in ruhige Morgen. Schwarz getrunken spielt er seine Stärken voll aus. Für Milch ist er weniger gedacht.
Aeropress
Was ist das?
Die Aeropress ist ein kompakter Brühzylinder, bei dem Kaffee mithilfe von Druck extrahiert wird. Ihr größter Vorteil ist ihre Vielseitigkeit. Sie funktioniert mit hellen wie dunklen Röstungen, erlaubt unzählige Rezepte und lässt viel Spielraum, ohne kompliziert zu werden.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Eigentlich für fast alle. Je nach Rezept kann die Aeropress klar und fruchtig oder rund und kräftig. Wir nutzen sie besonders gern für helle Röstungen, weil sie Frucht und Süße gut abbildet, ohne spitz zu werden.
Unser Lieblingsrezept
Wir setzen die Aeropress vor allem unterwegs ein und greifen dabei gerne zu helleren Filterröstungen aus unserem Sortiment.
- 18 g Kaffee
- 200 ml Wasser bei ca. 90 °C
- 2 Minuten ziehen lassen, dann langsam pressen
Das Ergebnis ist weich, ausgewogen und erstaunlich konstant, selbst unter nicht idealen Bedingungen.
Kosten
Etwa 35–45 Euro. Viele kleinere europäische Kaffeefachhändler liefern problemlos nach Österreich.
Was man wissen sollte
Die Aeropress ist extrem alltagstauglich. Sie ist leicht, robust, schnell gereinigt und verzeiht Fehler. Gerade auf Reisen oder im Büro ist sie schwer zu schlagen. Für Milchgetränke funktioniert sie ebenfalls gut, wenn man etwas kräftiger brüht.
Siebträger
Was ist das?
Der Klassiker unter den Maschinen. Oft das Idealbild für "richtig guten Kaffee". Nüchtern betrachtet ist es es eine Kaffeezubereitung mit Druck. Fein gemahlener Kaffee, kurze Kontaktzeit, hohe Intensität.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Für alle, die es klassisch und dicht mögen. Aber der Siebträger ist auch vielseitig. Von kräftigen, cremigen und schokoladigen shots bis hin zu experimentelleren, fruchtigen Specialty Espressoröstungen sind dir keine Grenzen gesetzt. Und wenn du der Cappucino, Latte, Flat White oder Melange Typ bist, dann bist du hier schon mal ganz richtig unterwegs.
Wichtiger Hinweis
Bei der Recherche für Siebträgermaschinen landet man sehr schnell in einem "Rabbit Hole": Man vertieft sich immer mehr, liest Produkttests und Blogbeiträge und bekommt von 10 Seiten 10 verschiedene Empfehlungen. Dabei solltest du einen Punkt nie vergessen: Wichtiger als die Maschine ist eine gute Mühle. Eine Kombination aus solider Einsteigermaschine (Gaggia, Lelit, Profitec) mit guter elektrischer Mühle (Barazza ESP, Niche Zero) oder einer guten Handmühle (Commandante, 1zpresso, Kingrinder, Timemore) schlägt jede teure Maschine mit schlechter Mühle.
Zubereitung
Je nach Kaffee arbeiten wir nicht nur mit klassischen 1:2-Verhältnissen, sondern oft auch mit 1:2,5. Gerade bei etwas fruchtigeren Espressoröstungen ergibt das für uns ein rundereres Ergebnis mit besser eingebundener Säure.
Zum Beispiel:
- 18 g Kaffee in
- 45 g Espresso out
- 25–30 Sekunden, manchmal lassen wir uns auch 35 Sekunden zeit. Schmecken muss es.
- Zum Beispiel mit unserem Espresso #1 oder den Specialty Espressoröstungen.
Kosten
Realistisch liegt ein sinnvoller Einstieg inklusive Mühle bei etwa 600–900 Euro. Teurer geht immer, nötig ist es nicht.
Was man wissen sollte
Ja, es braucht Übung. Nein, man muss kein Nerd sein. Wer regelmäßig Milchgetränke trinkt, ist hier richtig aufgehoben.
Mokkakanne/Bialetti
Was ist das?
Ein Herdkocher, der Wasser durch Dampfdruck nach oben presst. In vielen Haushalten seit Jahrzehnten im Einsatz.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Für alle, die es kräftig mögen, aber keinen klassischen Espresso brauchen. Vollmundig, oft schokoladig, wenig Säure.
Zubereitung
Wir verwenden gerne Espressoröstungen oder dunklere Filterröstungen. Aber auch unser LUBEANS Lupinenkaffee und der LUBEANS 50 Blend funktionieren hervorragend als Mokka Zubereitung.
Wichtig: nicht zu fein mahlen, der Mahlgrad liegt zwischen Espresso und Filter.
- Wir brühen ein Verhältnis 1:10 oder 1:11 zwischen Kaffee und Wasser. Die Menge des Wassers, welches unter dem Ventil Platz hat, bestimmt die ideale Kaffeemenge deiner Mokkakanne. Bei unserer 6er Bialetti sind das 270ml Wasser, also nehmen wir 25-27g Kaffee.
- Wasser vorkochen, Herdplatte vorheizen
- Abgemessene Menge Wasser einfüllen
- Kaffee ohne Druck in das Sieb füllen (nicht tampen!)
- Mokkakanne auf die heiße Herdplatte stellen, Deckel öffnen und warten, bis der Kaffee aufsteigt.
- Sobald Kaffee zu sehen ist, Hitze stark reduzieren oder wegnehmen. Ziel ist ein langsamer stetiger Kaffeefluss ohne dass es "spritzt".
- Sobald das ganze Wasser aufgestiegen ist und man das typische Blubbern beginnt, sofort die Kanne von der Hitze entfernen und entweder gleich einschenken oder unter kaltem, fließendem Wasser den unteren Teil der Kanne abkühlen, um den Brühprozess zu stoppen. So vermeidest du, dass zu viele Bitterstoffe in deinem Kaffee landen.
Kosten
Es gibt Mokkakannen in allen Preisklassen. Wir haben persönlich einen Faible für die traditionelle Bialetti aber auch die neue E&B LAB Moka Kanne finden wir super. Du musst dich entscheiden, ob du lieber eine Maschine aus Alu oder aus Edelstahl möchtest und ob sie für einen Induktionsherd geeignet sein soll.
Was man wissen sollte
Es gibt eine fast religiöse Ansicht, dass man Mokakannen nicht reinigen sollte, weil sich eine wertvolle "Patina" aufbaut. Da diese Patina aber nur altes und verbranntes Kaffeeöl ist und dass der "Besondere" Geschmack eigentlich von einer Verunreinigung kommt, raten wir doch dazu, die Kanne regelmäßig (auch mit Spülmittel) zu reinigen. Abgesehen davon ist eine Mokkakanne sehr alltagstauglich, hat wenig Technik, wenig Schnickschnack. Eine gut gepflegte Mokakanne kann ein Leben lang halten. Hin und wieder gibt man ihr einen neuen Dichtungsring und sie gibt uns sehr guten Kaffee zurück.
Hario Switch
Was ist das?
Ein Hybrid aus zwei Brühtechniken: Perkulation (z.B. V60) und Immersion (z.B. French Press). Man kann das Wasser zuerst stehen lassen und dann kontrolliert ablassen. Kontrolliert wird das ganze durch einen kleinen Schalter, der den Wasserfluss stoppt oder öffnet. Das ermöglicht eine Vielzahl kreativer Zubereitungsmöglichkeiten.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Für alle, die Filterkaffee mögen, aber etwas mehr Körper wollen. Sehr ausgewogen und betont mehr die Süße und Saftigkeit eines Kaffees.
Zubereitung
Der Mahlgrad für die Switch kann noch einmal gröber sein als für den klassischen Handfilter. Für 2 Tassen Kaffee machen wir folgendes:
- 25g Filterkaffee mahlen, z.B. unseren Tansania SL-28
- 425g Wasser auf 93° C aufkochen.
- Wir schließen die Switch und gießen für das Blooming 75g Wasser auf.
- Nach ca. 40 Sekunden öffnen wir die Switch und lassen den Kaffee in die Karaffe rinnen.
- Dann gießen wir weiter Wasser nach, bis wir gesamt 200g Wasser drin haben. Die Switch bleibt in diesem Schritt offen.
- Nach etwa 2 Minuten schließen wir die Switch, gießen das restliche Wasser auf und lassen den Kaffee etwa 1 Minute stehen. Dabei gerne einmal vorsichtig mit einem Löffel umrühren.
- Nach etwa 3:00 min öffnen wir die Switch und lassen den Kaffee fertig in die Karaffe rinnen.
Kosten
Etwa 40–50 Euro. Noch ein Nischenprodukt, aber zunehmend gut erhältlich.
Was man wissen sollte
Einsteigerfreundlich, reproduzierbar, entspannt. Passt gut in den Alltag.
Cezve/Turkischer Kaffee
Was ist das?
Eine der ältesten Zubereitungsarten. Sehr fein gemahlener Kaffee wird direkt im Wasser aufgekocht.
Für welche Geschmacksvorlieben passt das?
Für alle, die Intensität, Textur und Tradition mögen. Sehr kräftig, sehr direkt, meistens mit gut ausgeprägter Süße und wenig bis keinen Ecken und Kanten. Aber die Cezve ist dabei nicht nur dunkel und schwer. Auch leichte Fruchtnoten funktionieren hier hervorragend.
Zubereitung
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man für Cezve nur sehr dunkle Röstungen verwenden kann. Unsere Erfahrung ist eine andere. Auch Specialty-Espressoröstungen im Medium-Roast-Bereich funktionieren oft sehr gut und ergeben einen runden, komplexen Geschmack.
Zucker braucht es meist gar nicht, wenn die Kaffeequalität stimmt. Auch Gewürze wie Nelken wurden traditionell oft genutzt, um Bitterkeit zu überdecken. Diese Bitterkeit entsteht jedoch fast immer durch zu dunkle Röstungen oder falsche Zubereitung, nicht durch die Methode selbst.
Wir verwenden zum Beispiel heller geröstete Espressi aus unserem Sortiment in einem Verhältnis 1:10, mahlen extrem fein und geben das Pulver in die Cezve. Dann Wasser heizen wir vor auf ca. 60° C und gießen es auf das Pulver. Anschließend rühren wir die Mischung 10-15 Mal gut um. Danach erhitzen den Kaffee langsam, ohne den Kaffee kochen zu lassen. Bald bildet sich ein Schauem, dieser ist zuerst ganz hell, wird mit der Zeit immer dunkler. Hier müssen wir darauf achten, dass wir den Kaffee nicht überextrahieren (zu dunkler Schaum), denn sonst wird der Kaffee bitter.
Eine der größten Hürden ist die extrem feine Mahlgrad, den nicht viele Mühlen schaffen. Solltest du einen unserer Kaffees gerne einmal in deiner Cezve probieren wollen, dann schreib uns gerne unter hello@nubeans.coffee. Wir werden die gerne einen Kaffee im richtigen Mahlgrad zukommen lassen.
Kosten
Eine Cezve kann sehr günstig oder recht teuer sein. Hier kommt auch oft noch traditionelles Handwerk zum Einsatz, mit gehämmertem Kupfer zum Beispiel. Da Kupfer ganz besondere Eigenschaften in der Wärmeleitung hat, lohnt es sich vielleicht, ein paar Euro mehr auszugeben. Außerdem wird eine Wärmequelle benötigt. Das kann die Herdplatte sein, für eine bessere reaktionsfreudigere Steuerung wird aber oft ein kleiner Gasbrenner oder Infrarotbrenner empfohlen.
Was man wissen sollte
Wer sagt, Cezve benötigt unbedingt Zucker und oder Nelken, hat vermutlich einfach den falschen Kaffee. Für die Zubereitung solltest du dir aber bewusst sein, dass sie deine Aufmerksamkeit erfordert. Hier muss man dabei stehen und den Brühvorgang überwachen, sonst kocht dir dein türkischer Kaffee ganz schnell über.